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Startseite Ergotherapie Ergotherapie nach Schlaganfall
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Ergotherapie – muss ich aufs Fahrrad?

Hr. S. blickt mich verwirrt an „Ergotherapie? Muss ich da aufs Fahrrad?“

Ich kläre ihn auf: „Nein, nein. Sie meinen wahrscheinlich Ergometrie. Ich möchte Sie zum ergotherapeutischen Erstgespräch weiterbitten, dabei geht es um die Befundung ihrer Selbstständigkeit im Alltag.“
Hr. S. nickt, scheinbar verstehend und folgt mir in der Therapieraum.

Was ist Ergotherapie?

Hr. S. ist nicht der einzige, der sich unter dem Begriff meines Berufes wenig vorstellen kann. Ergotherapie – was soll das sein? In meiner beruflichen Tätigkeit behandle ich unter anderem Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie etwa Patienten nach Schlaganfällen oder auch Hirnblutungen.

Übergeordnetes Ziel der Ergotherapie in jedem Fachbereich ist es, dem Patienten zu größtmöglicher Selbstständigkeit in seinem Alltag zu verhelfen. Trainiert werden alle Alltagshandlungen, die aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung eingeschränkt sind.

Hr. S. kommt nach einem Schlaganfall zum Erstgespräch.

Ohne Hilfsmittel bewegt er sich selbstständig auf seinen zwei Beinen, die Muskulatur seines rechter Arm ist jedoch nach dem Schlaganfall teilweise gelähmt und nicht voll funktionstüchtig: Hr. S. kann seinen rechten Arm nicht hoch genug heben, um sich selbstständig kämmen oder das Unterhemd über den Kopf ziehen zu können. Auch das Umhängen seiner Lesebrille mit dem rechten Arm fällt ihm schwer. Das Schließen der Hemdknöpfe übernähme seine Frau. Hr. S. berichtet außerdem, dass er große Schwierigkeiten beim Schreiben habe, das Unterzeichnen z.B. eines Bankbelegs gelinge ihm nicht. Auch Schneiden mit dem Messer könne er nicht selbstständig durchführen. „Auch dafür brauche ich meine Gattin.“

Wohin führt die Therapie?

Nach Abklärung der aktuellen Schwierigkeiten vereinbare ich mit Hrn. S., dass die ergotherapeutische Behandlung darauf abzielen soll, dass Hr. S. sich selbstständig sein Hemd anziehen, sein Essen selbst schneiden, sich selbst kämmen sowie seine Unterschrift leserlich schreiben kann.
Hr. S.  kommt regelmäßig zur Therapie, im Rahmen derer die vereinbarten Tätigkeiten trainiert werden. Hr. S. bittet zusätzlich um Übungen, die er zuhause durchführen kann, um die Wirkungsweise der Therapie zuhause fortführen zu können.
Nach zwei Wochen kommt Hr. S. freudestrahlend, hält mir eine Grußkarte hin und berichtet: „ Da schauen Sie, das ist meine Unterschrift zum Geburtstag meiner Enkelin! Es geht wieder!“

Erfolgserlebnis
Nach einigen Einheiten erfolgt die Überprüfung der anfangs festgesetzten Ziele. Hr. S. hat fast alles erreicht was er wollte, nur das Arm heben gelingt noch nicht ganz zu seiner Zufriedenheit: „ Am Hinterkopf kann ich mich noch nicht frisieren, vorne ist es schon passabel!“.
H. S. will nach einem kurzen Urlaub die Therapie weiterführen und auch noch diese Hürde knacken.

Ausblick

Hr. S. ist ein Beispiel, in welchem Bereich Ergotherapie ansetzt und was sie bewirken kann. Gerade im neurologischen Bereich ist es aber wichtig zu beachten, in welchem Ausmaß die neurologische Beeinträchtigung vorhanden ist und welche Schädigungen sie nach sich gezogen hat.

Die Therapie neurologischer Erkrankungen und Krankheiten ist oft langwierig, in manchen Fällen kehrt die erwünschte Fähigkeit auch nur teilweise oder gar nicht mehr zurück. Zudem machen nicht nur körperliche, sondern auch kognitive Schwierigkeiten die Behandlung zusätzlich schwer.

Ergotherapie versucht, die Ressourcen des Einzelnen auszuschöpfen und die größtmögliche Selbstständigkeit für den Alltag des Einzelnen wiederzuerlangen.  Je nach Erkrankung oder Verletzung werden individuelle Ziele gesetzt und dementsprechende Behandlungsmaßnahmen ausgewählt und umgesetzt. Wichtig ist in manchen Fällen auch die Aufklärung und Beratung der Angehörigen sowie eine passende Hilfsmittelabklärung und –versorgung.